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Interview / Kurzportrait:

Dr. Pierre Keller, Alumnus der Hochschule Kaiserslautern

Sein akademischer Werdegang begann 2010 mit dem Studium in Finanzdienstleistungen an der Hochschule Kaiserslautern. Nachdem er den Master in BWL an der Universität in Saarbrücken absolviert hatte, zog es ihn zurück nach Kaiserslautern. Dort hat er nun seit Juli 2020 seinen Abschluss PhD in Business Management erreicht. Nun gibt er uns einen kurzen Einblick über seine Promotion und das Kooperationsprogramm mit der Universität in Riga.

 

Für welchen Studiengang hast du dich entschieden und warum an der HS Kaiserslautern?

Ich habe mich im Jahr 2010 dafür entschieden, Finanzdienstleistungen an der HS Kaiserslautern zu studieren. Der Studiengang erfreute sich zu dieser Zeit – wohl speziell wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise – einer großen Nachfrage. Gerade wegen meiner Zahlenaffinität und der Heimatnähe entschied ich mich recht schnell für diesen Studiengang. Hierbei war mir auch der Praxisbezug und der Kleingruppencharakter an der HS KL im Vergleich zu Universitäten wichtig.

 

Warum hast du dich bei deiner Promotion für ein kooperatives Programm mit der Universität in Riga entschieden?

Ich habe eher zufällig von dem Programm erfahren; nämlich während der Bachelor-Absolventenfeier, als Daniel Kleber – der ja inzwischen schon als Professor in Dubai tätig ist – als erster Doktorand der HS KL in dem Kooperationsprogramm genannt wurde. Ich habe Daniel einfach darauf angesprochen; er wies mich auf die Partnerschaft der HS Kaiserslautern mit der BA School of Business and Finance hin und gab mir hinsichtlich seiner ersten Aufenthalte in Riga ein sehr positives Feedback. Gegen Ende meines Masterstudiums entschied ich mich dann gegen den Berufseinstieg als Controller und für das Promotionsstudium, da ich mir nur schwer vorstellen konnte, in der Praxis einzusteigen und erst irgendwann später den PhD anzugehen. Deswegen wollte ich das Ganze gleich durchziehen.

 

Wie hast du deine Promotionszeit erlebt? Welche besonderen Herausforderungen hattest du und wie hast du sie gemeistert?

Das Promotionsstudium war sicherlich über die knapp vier Jahre gesehen eine anstrengende Zeit. Eine besondere Herausforderung ist definitiv jene, über mehrere Jahre mit seinem Promotionsthema bzw. der Dissertation etwas alleine dazustehen – Betreuer hin oder her. Während der Bachelor- und Masterarbeit erstreckt sich dieser Zeitraum, in der man sich auf besondere Weise selbst zum Recherchieren und Schreiben motivieren muss, nur über ein paar Monate. Bei einer Promotion sind es Jahre; alleine meine Datenerhebung hat wegen der von mir gewählten Methodik fast ein Jahr gedauert und war durch die Organisation diverser Seminare zur Datenerhebung durchaus anstrengend. Schafft man es nicht, sich neben den PhD-Seminaren (für deren bestehen man größtenteils Seminararbeiten schreibt) zum Weiterarbeiten an der Dissertation zu motivieren, so gerät diese natürlich ins Stocken und der Prozess zieht sich in die Länge. Für mich war es in diesem Kontext immer etwas frustrierend, die Dissertation ruhen lassen zu müssen, um eine Seminararbeit bis zu einer gewissen Deadline anzufertigen. Sehr hilfreich war es, sich Zwischenziele zu setzen und sich über deren Erreichung auch zu freuen – und nicht etwa stets daran zu denken, was noch alles vor einem liegt.

Ich behalte die Promotionszeit trotz der Herausforderungen in sehr positiver in Erinnerung. Riga ist eine super Stadt, wir hatten einige witzige Abende; Billard, Bowling, Darts, wir haben eigentlich immer irgendeine Abendbeschäftigung während der Seminarwochen gefunden. In Riga gibt es auch unzählige Bars und Restaurants, in denen man für relativ wenig Geld sehr gut essen kann.

 

Was hast du durch deine Promotion gelernt?

Hinsichtlich der empirischen Datenanalyse habe ich noch einige Möglichkeiten neben jenen, die ich während meines Masterstudiums gelernt habe, hinzugewonnen. Gleichermaßen verhält es sich mit der Literaturanalyse. Neben vertieften Kenntnissen in diversen Bereichen wie Finance Management, Strategic Management, Data Mining und Research Design entwickeln sich auch einige persönliche Fähigkeiten während einer Promotion weiter: Belastungsfähigkeit, Selbstorganisation und -motivation, analytisches und systematisches Denken, Zielorientierung. Am meisten gelernt habe ich jedoch eindeutig, sich nicht von Rückschlägen unterkriegen zu lassen, sondern einfach weiterzumachen.

 

Was war ein Highlight dieser Zeit?

Wie bereits vorher beschrieben, habe ich zusammen mit Kommilitonen zahlreiche lustige Abende in Riga erlebt und selbstredend einige Freundschaften geschlossen. Vor allem der Besuch eines Eishockeyspiels in Riga war grandios. Wir sahen ein Spiel des relativ erfolglosen Heimteams aus Riga gegen einen ziemlich guten Gegner – ich meine, es war Minsk. Das Spiel endete nach regulärer Spielzeit 0:0; das war für ein Eishockeyspiels natürlich alles andere als atemberaubend. Doch in der Verlängerung gelang Riga der überraschende Siegtreffer; wie die Halle dann explodierte, habe ich bspw. in Fußballstadien nur selten gesehen. Überall am Spielfeldrand waren Feuereffekte zu sehen, der Geräuschpegel war unglaublich laut; insgesamt einfach ein tolles Event. 

Große Highlights waren auch die Konferenzbesuche, die ich im Rahmen des Curriculums zu erbringen hatte. Ich besuchte hierfür Konferenzen in Paris, Mailand und Wien. Neben der Konferenz per se nahm ich mir stets genügend Zeit, um mir die Städte anzusehen. Das war natürlich eine tolle Sache!

 

Hattest du schon während deiner Promotion einen konkreten Plan, was danach kommt und wie geht es jetzt bei dir weiter?

Nicht wirklich; ich dachte mir schon, dass es in die Richtung „Consulting“ gehen könnte, habe mir aber erst gegen Ende des Promotionsstudiums konkretere Gedanken gemacht. Während meiner Verteidigungsphase hatte ich mich dann bei DORUCON, einer Unternehmensberatung in Saarbrücken, die sich auf die Finanzierungs- und Förderungsberatung von jungen innovativen KMU spezialisiert, beworben und bin dort auch seit dem 1. Mai tätig. Die Stelle ist ideal, da die Förderanträge, die wir für unsere Kunden schreiben, ein hohes wissenschaftliches Niveau besitzen müssen, ich einige während des Promotionsstudiums gelernte Dinge in die Anträge miteinfließen lassen kann und die Tätigkeit generell sehr gut zu meinem PhD-Themenschwerpunkt „Entrepreneurship“ passt. Das multidisziplinäre Team bei DORUCON ist zudem wirklich klasse!

 

Hast du Tipps für Promovierende, die ähnliche Herausforderungen haben?

Der Austausch mit Betreuern und Kommilitonen hilft sehr häufig, wenn der eigene Fortschritt etwas ins Stocken geraten ist. Sich für verschiedene Teilziele selbst eine Frist zu setzen, hilft ebenfalls dabei, den Fortschritt im Studium besser einzuhalten (unabhängig davon, ob man die Frist nun auch wirklich auf den Tag einhalten kann oder nicht). Vor Beginn des Schreibens an der Dissertation empfehle ich schließlich dringend das Durchlesen eines Buches, welches Tipps für das Schreiben einer PhD-Thesis liefert bzw. die Durchsicht von früheren Dissertationen der BA School of Business and Finance, um ein besseres Gefühl hinsichtlich des Formats und der Struktur zu erhalten.