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Kaiserslauterer Studierende auf kolonialer Spurensuche

Studierende der Hochschule Kaiserslautern des Fachbereichs Bauen und Gestalten haben  mit der gestalterischen Konzeption der Ausstellung „Stoff. Blut. Gold.“ im Kulturzentrum am Münster in Konstanz ein ganz besonderes Projekt erlebt.

40 Studierende der Fachbereiche Geschichte, Literaturwissenschaft, Kulturelle Grundlagen Europas, Globale Europastudien, Kommunikationsdesign und Innenarchitektur haben dafür zusammengearbeitet. Beteiligt waren die Hochschule Kaiserslautern (HSKL) sowie die HTWG Konstanz und die Universität Konstanz.

„Für unsere Studierenden war das Projekt und dessen Umsetzung eine außergewöhnliche Erfahrung – sowohl auf der fachlichen, als auch auf der persönlichen Ebene“, sagt Dipl.-Ing Frank Forell, Dozent an der HSKL. Die Ausstellung wurde im Sommersemester im Rahmen der Wahlpflichtfächer Ausstellungsgestaltung und Szenografie konzipiert, entworfen, geplant, ausgeführt, aufgebaut und eingerichtet. Beteiligt waren dabei angehende KommunikationsdesigernInnen der der HTWG mit Professorin Eva-Maria Heinrich.

Wohlüberlegt wurde der Ausstellungsbau unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit aus dem nachwachsenden Rohstoffen Holz und Papier hergestellt. Die verwendeten Materialien wurden weder verleimt noch verklebt, sondern rückstandsfrei demontierbar ausgeführt. So könnten sie z.B. bei einer weiteren Ausstellung verwendet werden.

Auch die Inhalte der Ausstellung sind ganz besonders: Es ist eine Geschichte, die so bislang noch nicht erzählt worden ist. Die Ausstellung „Stoff. Blut. Gold.“ macht sich auf Spurensuche in der Konstanzer Kolonialzeit. Und deckt lang vergessene Verbrechen auf.

Die Konstanzer Familie Ehinger hatte zusammen mit Geschäftspartnern von Kaiser Karl V Monopol-Lizenzen erhalten, um Tausende von Menschen aus Afrika nach Südamerika zu verkaufen. Die Sklaverei sicherte andere koloniale Risikogeschäfte ab: Den Anbau von Safran und Indigo in Mexiko oder die Spekulation auf Goldminen-Funde in den Anden. Der Wohlstand der Ehinger ist zu einem bedeutenden Teil auf Kosten der Versklavten erwirtschaftet worden.

Die Beweislast der Recherche ist umfangreich: Zahlreiche Schriftstücke aus dem 16. Jahrhundert – unter anderem Verträge, Briefe, Testamente, Inventarlisten – bezeugen die transatlantischen Handelsaktivitäten der Konstanzer Ehinger im Rahmen der Welser-Kolonie Venezuela und anderer kolonialer Unternehmungen.

Die Info-Banner im Richental-Saal fassen die Dokumente zusammen, zeigen Reproduktionen von Verträgen und Gemälden, bündeln Zeitzeugenberichte, ziehen auf Infografiken Querverbindungen zwischen den einzelnen Akteuren, erläutern die komplexen Verwicklungen. Im Zentrum des Raums zieht ein nachempfundener Schiffsrumpf die Blicke auf sich. Silhouetten von Körpern liegen eng an eng – eine Reminiszenz an die Bedingungen, die auch auf den Schiffen der Ehinger geherrscht haben müssen. Ganz genau hatte man jeden Zentimeter dieser Schiffe verplant, Handelsware und Menschenware eingepasst, Verluste im Voraus einkalkuliert.

Mit ihrer konsequent aus den Inhalten generierten Ausstellungsgestaltung haben die Studierenden der HSKL die Ergebnisse der historischen Spurensuche auf eindrückliche und faszinierende Art und Weise in ein auratisches Raumbild umgesetzt, das den BesucherInnen eindrücklich und lange in Erinnerung bleiben wird.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 22. Oktober.

https://konstanzer-kolonialzeit.de

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