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Wie werde ich Stipendiatin im Deutschlandstipendium? – Auswahlprozess an der HS Kaiserslautern unter Corona-Bedingungen

Ein Erfahrungsbericht der Studentin Carolin Deuter

Im Wintersemester 2018/2019 habe ich mein Bachelorstudium Wirtschaftsingenieurwesen an der Hochschule Kaiserslautern begonnen. Zu Beginn des Wintersemesters finden jedes Jahr die Bewerbungen auf das Deutschlandstipendium statt. Ich selbst habe mich im dritten und fünften Semester darauf beworben. Erfolg hatte ich erst bei der zweiten Bewerbung. Umso mehr habe ich mich über die Zusage gefreut.

Die erste Absage kam für mich zunächst überraschend, denn neben guten Noten hatte ich auch Engagement in der Hochschulpolitik und im Triathlon-Sport vorzuweisen. Dies hat mich angespornt, mich im Studium noch mehr anzustrengen, um meine Noten weiter zu verbessern. Außerdem habe ich endlich meine unbegründete Schüchternheit überwunden und mich mit der Ortsgruppe von ArbeiterKind.de getroffen. Hier engagiere ich mich jetzt seit über einem Jahr und die Gruppe ist mir wirklich ans Herz gewachsen. Wir unterstützen und beraten Studierende aus Nicht-Akademikerfamilien, setzen uns für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit ein und halten Vorträge an Schulen und Hochschulen, unter anderem zum Thema Stipendien. Seit diesem Jahr kann ich hier nun auch aus eigener Erfahrung berichten.

Das Deutschlandstipendium hat den großen Vorteil, dass es keine Bewerbungsvoraussetzungen wie Partei- oder Konfessionszugehörigkeit, einen bestimmten Studiengang oder besondere Lebensumstände gibt. Jede*r eingeschriebene Student*in einer Hochschule kann sich bewerben, sofern die Hochschule beim Deutschlandstipendium mitmacht.  Bei Erfolg erhält der/die  Student*in für ein Jahr monatlich 300€, die zur Hälfte vom Staat und zur anderen Hälfte von einem lokalen Förderer getragen werden. Die Beurteilungskriterien an der Hochschule Kaiserslautern sind zu gleichen Teilen Leistung, Engagement und Motivation. Professor Dr.-Ing. Wulf Kaiser, der auch Teil des Auswahlgremiums ist, hat die Kriterien sehr gut auf den Punkt gebracht und meinte: „Wir suchen Persönlichkeiten!“.

Das Jahr 2020 war ohne Frage ein ganz besonderes Jahr. Die globale Corona-Pandemie beeinflusste nicht nur unser alltägliches Leben und das Studium, auch der Bewerbungsprozess für das Deutschlandstipendium wurde aktualisiert. In meiner ersten Bewerbung musste ich zur Online-Bewerbung mit den üblichen Unterlagen (Lebenslauf, Zeugnisse, Noten etc.) ein Motivationsschreiben abgeben. 2020 wurde das Motivationsschreiben durch ein Motivationsvideo ersetzt und coronabedingt fand das Auswahlgespräch in Kleingruppen virtuell statt.   

Mir persönlich kam diese Lösung sehr entgegen. Als angehende Ingenieurin bin ich ganz dem Klischee entsprechend besser mit Zahlen als mit Worten und das Motivationsschreiben im Jahr zuvor ist mir sehr schwergefallen, zumal es weniger persönlich ist. Mit dem Video hatten Auswahlgremium und Förderer die Möglichkeit, sich direkt einen noch besseren Eindruck von mir als Bewerberin zu verschaffen. Für maximal drei Minuten Video habe ich über 10 Stunden vor der Kamera gestanden, denn es sollte richtig gut werden. Ich habe mich lange in das Thema Videobearbeitung eingearbeitet und nach fünf Versionen des Videos war ich endlich zufrieden. Ausschlaggebend waren selbstverständlich die Inhalte des Videos, aber es kann auch nie verkehrt sein, wenn man erkennt, wie viel Mühe sich die Bewerber*innen gegeben haben. Nach einem qualvollen Monat des Wartens auf eine Rückmeldung kam die Einladung zum Auswahlgespräch. Wie ich später erfahren habe, wurden über 100 Studierende eingeladen und das Auswahlgremium hat von früh morgens bis spät abends Gespräche geführt. Entsprechend war das Gespräch nicht ausufernd lang. In einer Gruppe mit fünf weiteren Bewerber*innen haben wir etwa 30 Minuten lang typische Assessment Center Fragen diskutiert. Vor allem die Frage, was wir tun würden, wären wir einen Tag lang Hochschulpräsident*in, fand ich sehr interessant. Nach nur vier aufgeregten Tagen des Abwartens kam die Zusage. Ich war so aufgeregt und habe mich unglaublich gefreut. Ziel erreicht.

Zu Beginn der Förderung gibt es unter normalen Umständen eine Feier zur Stipendienvergabe, bei der neben den Stipendiat*innen auch die Unternehmensvertreter*innen anwesend sind. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde diese Feier vorerst auf Mai verschoben.

Mein Förderer ist die Firma Adient aus Kaiserslautern, die sich bereits seit vielen Jahren beim Deutschlandstipendium engagiert und sogar gleich zwei Stipendien vergibt. Der zweite Stipendiat, Philipp Heintz, wird von der Firma Adient bereits im dritten Jahr gefördert. Um nicht bis Mai zu warten, haben wir das Kennenlernen spontan in den digitalen Raum verschoben. In einem zweistündigen Zoom-Meeting hat uns Herr Matthias Keller, Senior Manager Engineering bei der Firma Adient am Standort Kaiserslautern, einen Einblick in das wirklich spannendeAdient Testcenter gegeben und wir haben eine eventuelle Zusammenarbeit im Rahmen des Studiums angedacht, sobald die Umstände es zulassen. Der Kontakt zu lokalen Unternehmen, der sich durch das Stipendium ergibt, ist meiner Meinung nach sehr wertvoll.

Das Deutschlandstipendium bedeutet für mich neben dem Kontakt zur Firma Adient und dem finanziellen Aspekt auch eine Anerkennung meiner Leistung. Es motiviert mich sehr, denn ich konnte ein großes Auswahlgremium von mir als Person und dem, was ich tue, überzeugen. Die 300€ pro Monat ermöglichen es mir, etwas weniger neben dem Studium zu arbeiten und diese gewonnene Zeit in mein hochschulpolitisches Engagement zu investieren. Von der aktuellen Corona-Situation ist natürlich auch das Studium betroffen und es braucht mehr denn je engagierte Studierende, die die Interessen der Studierendenschaft vertreten. Kurz nach Erhalt des Stipendiums wurde ich zur neuen Präsidentin des Studierendenparlaments gewählt und kann nach den ersten Wochen schon sagen, dass hier momentan echt was los ist. Ohne das Deutschlandstipendium wäre das für mich wahrscheinlich nur schwer machbar gewesen, ohne anderswo Abstriche zu machen und ich bin dankbar dafür. Das Jahr 2021 bleibt spannend. Ich drücke jetzt schon den Bewerber*innen der nächsten Bewerbungsphase die Daumen und hoffe, dass sie sich im Herbst 2021 vor Ort dem Auswahlgremium vorstellen dürfen.