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"Meine Arbeitsweise: Interaktiv, vernetzt und immer auf Augenhöhe"

Vielseitigkeit prägt Prof. Dr.-Ing. Jan Conrads Alltag und Vielseitigkeit ist auch, was er aktiv sucht. „Gemeinsam an einem Tisch mit vielen unterschiedlichen Perspektiven auf kreative Weise Ideen zu entwickeln, die am Ende Mensch und Technik näher zusammenzubringen – das ist es, was mich jeden Tag aufs Neue begeistert und was meiner Art entspricht, an Dinge heranzugehen.“

Jan Conrad ist Professor für Implementierung interaktiver Software-Systeme und aktuell auch Prodekan im Fachbereich Informatik und Mikrosystemtechnik (IMST) an der Hochschule Kaiserslautern (HSKL). Er beschäftigt sich u.a. mit der Mensch-Technik-Interaktion. Dabei spiele Empathie eine entscheidende Rolle. „Menschzentriert zu arbeiten bedeutet Bedürfnisse zu erkennen und sie zu verstehen“, so Jan Conrad.

Perspektivwechsel

Jan Conrad studierte Informatik in Deutschland und Schweden. „Die Informatik ist ein schnelllebiges Themenfeld, in dem es nie langweilig wird“, beschreibt Jan Conrad seine Faszination und Vorliebe für diesen Bereich. Als Nebenfach wählte er damals Konstruktions- und Fertigungstechnik. Bereits hier zeigte sich sein Interesse an unterschiedlichen Perspektiven. „Die ingenieurwissenschaftlich-praktische Sicht auf die Dinge reizte mich sehr“, begründet er seine damalige Entscheidung. Eine weitere Sichtweise vermittelte ihm der MBA-Studiengang ‚Europäische Wirtschaft‘, den er absolvierte und mit dem er lernte aus den Augen von Betriebswirt*innen auf die Dinge zu blicken. „Im ersten Moment fragt man sich: wie passt das zusammen? Aber genau darin liegt für mich der Reiz – Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten“, fasst Jan Conrad zusammen.
Seine Vorliebe für die Lehre entdeckte er während seiner Promotion an einem ingenieurwissenschaftlichen Lehrstuhl. „Das war der Punkt, an dem ich merkte, wie viel Spaß mir die Zusammenarbeit mit Studierenden macht“, erklärt er und ergänzt, dass in diesem Moment erstmals die Idee einer Professur in ihm aufflammte. Der Kontakt mit Studierenden blieb auch während Jan Conrads Tätigkeit als Projektleiter und Betriebsingenieur bei einem großen Stahlunternehmen bestehen. Während dieser Zeit arbeitete er als Lehrbeauftragter in interdisziplinären Studiengängen.

Mensch und Technik zusammenbringen

Der enge Austausch mit Studierenden und die familiäre Atmosphäre sind Aspekte, die Jan Conrad an der HSKL sehr schätzt. „An der HSKL sind die Wege kurz, die Begegnungen auf Augenhöhe und die Gestaltungsmöglichkeiten groß“, verdeutlicht er. Dabei sei es eine glückliche Fügung gewesen, eine passend ausgeschriebene Professur, die Jan Conrad zur HSKL führte. Was ihn stets beeindruckt ist das große Engagement, mit dem sich die Studierenden einbringen. Auf diesem Wege sei auch das Projekt des Fahrsimulators K3F [kɑː ˈdraɪv] entstanden, das im Bereich Automotive User Experience und Mensch-Fahrzeug-Interaktion angesiedelt ist. Es handelt sich um eine Fahrsimulationsumgebung, in der sich die Erprobung zukunftsweisender Cockpit- und Mensch-Fahrzeug-Interaktion realisieren lässt. Aktuell beschäftigt sich Jan Conrad mit dem Ausbau des Fahrsimulationslabors. Ziel seiner Forschung ist es, Systeme zu entwickeln, die bedienbar sind und ein positives Erlebnis für die Nutzer*innen schaffen. Was bedeutet es aber die Nutzer*innen in den Fokus zu nehmen und menschzentriert zu arbeiten? Genau das demonstriere K3F erklärt Jan Conrad. Das Arbeiten in gemischten Teams und die Herausforderung, viele verschiedene Komponenten, wie Hardware, Software oder auch Gestaltung in einem Prozess zusammenzubringen, seien zentrale Aspekte, die sowohl der Fahrsimulator, als auch der Design Thinking Tank, der sich ebenfalls am Campus Zweibrücken befindet, aufzeigen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Dieter Wallach, ebenfalls von der HSKL, gründete er 2016 die HCI2B Group. „Die Idee war es, alle Tätigkeiten im Bereich Mensch-Technik-Interaktion der HSKL in einer Forschungsgruppe zu bündeln“, bringt er es auf den Punkt.

Wie sieht die Zukunft aus?

Wichtig sei ihm immer der Praxisbezug, d.h. die Anwendung der Ergebnisse. Das beschreibt er auch als Kern des Innovationsbereichs Produkte der Offenen Digitalisierungsallianz Pfalz, dem er angehört. „Ich möchte das Wissen und die Ergebnisse an Unternehmen – im speziellen an KMU – weitergeben und gemeinsam mit ihnen zusammenarbeiten, Prozesse überdenken und optimieren“, formuliert Jan Conrad eines der Ziele. Für erfolgreichen Transfer sei es dabei unerlässlich Empathie mitzubringen und die Nutzer*innen frühzeitig in die Entwicklungsprozesse mit einzubeziehen. Und das gerade in einem so spannenden Themenfeld wie der Digitalisierung. „Wie verändert die digitale Transformation unser Leben? Wie sieht beispielsweise die Industrie 4.0 in zehn Jahren aus? Diese Veränderungsdynamik ist das Herausfordernde und gleichzeitig das Spannende und Abwechslungsreiche meines Tuns“, beschreibt Jan Conrad. Damit einher gehe auch immer wieder die Frage, welche Skills und welches Know-how es im Rahmen der Lehre an die Studierenden zu vermitteln gilt. Aktualität und Weiterentwicklung spielen also eine zentrale Rolle bei der Wissensvermittlung. So setzte er sich auch bei der Entwicklung des Studiengangs Digital Engineering gezielt mit diesen Fragen auseinander. Der Studiengang verbindet die Informatik mit der Ingenieurwissenschaft – speziell mit der Elektrotechnik. „Innovation entsteht durch den Transfer verschiedener Disziplinen, besonders in der Digitalisierung“, verdeutlicht Jan Conrad.

Innovation durch Vielfalt

Der intensive Austausch mit den Studierenden ermöglicht es Jan Conrad stets aktuell und am Zeitgeist zu sein. „Ich bekomme viel Input und weiß, was die Studierenden aktuell beschäftigt und was für sie die neusten Trends sind. Ich kann also gar nicht auf alten Wegen bleiben“, unterstreicht Jan Conrad seine Wertschätzung dieser Zusammenarbeit. „Ich finde es schön als Professor junge Menschen ein Stück weit begleiten zu können und ihre Entwicklung mitzuerleben. Zu sehen, welch unterschiedliche Wege sie einschlagen und wo sie Fuß fassen, finde ich sehr spannend“, erklärt er in seiner Rolle als Wegbegleiter.
Jan Conrad ist vielseitig interessiert, so verbringt er seine Freizeit gerne mit Radfahren, um neue Wege und Landschaften zu erkunden. Andere Länder, Kulturen und Menschen kennenzulernen ermögliche ihm das Reisen. Dabei sei das Schöne für ihn, dass er berufsbedingt auch öfter unterwegs sei und weltweit Menschen innerhalb und außerhalb seines Fachgebiets kennenlernen könne.
Seine unterschiedlichen Perspektiven, die er hat, seine Bereitschaft und die Fähigkeit immer wieder andere Perspektiven einzunehmen und sein Interesse an Vielseitigkeit sind es, die ihn täglich seinen einstigen Berufswunsch als Kind Erfinder zu werden in die Tat umsetzen lassen. Jan Conrad sieht den Menschen im Fokus und entwickelt Anwendungen, die den Menschen letztlich näher mit der Technik zusammenbringt.


September 2020