Logistiksimulation in Kooperation mit der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG

Die Firma Boehringer Ingelheim Pharma ist weltweit einer der bedeutendsten Hersteller von Medikamenten und Arzneimitteln. Gestaltungsfragen der Produktion und Logistik im Pharma-Umfeld sind oftmals besonders anspruchsvoll. Im Rahmen der Kooperation zwischen Boehringer Ingelheim und dem Kompetenzzentrum OPINNOMETH an der FH Kaiserslautern widmeten sich nun Studierende der Technischen Betriebswirtschaft in Zweibrücken der Beantwortung realitätsnaher Fragestellungen aus diesem Bereich.

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Freude und etwas Stolz über die erbrachte Leistung im Blockseminar „Vernetzes Denken“: Claudia Walawski, Steffen Sand, Andreas Marhöfer, Dominik Meyberg, Marco Kratz, Daniel Kloß, Olaf Schwarzer (Boehringer Ingelheim), Moritz Spies, Christian Becker, Tobias Büscher, Philipp Molitor, Kathrin Ruffing, Prof. Thurnes

Das Blockseminar „Vernetztes Denken“ gilt der Kompetenzentwicklung im Umgang mit komplexen vernetzten Systemen – in diesem Falle im Speziellen bezüglich logistischer Systeme von Produktionsunternehmen wie Boehringer Ingelheim. Als Hilfsmittel zur Navigation durch den Dschungel von vielfältigen und schwer überschaubaren Zusammenhängen in logistischen Systemen lernten die Studierenden zunächst grob die Möglichkeiten der softwareunterstützten Simulation kennen. In den weiteren Tagen des Seminars wurde an einer realen Fragestellung gearbeitet: Es wurden zwei verschiedene Alternativkonzepte eines großen Lagerkomplexes untersucht und deren jeweilige Vor- und Nachteile hinsichtlich logistischer Kenngrößen erarbeitet. Die Aufgabenstellung wurde von Olaf Schwarzer – Technischer Betriebsleiter der Logistik bei Boehringer Ingelheim – zur Verfügung gestellt, der mit einem studentischen Mitarbeiter auch im weiteren Verlauf neben Professor Thurnes für die Studierenden als Ansprechpartner zur Verfügung stand. Diese Kooperation wird bereits einige Jahre gepflegt und wird von beiden Seiten sehr geschätzt.

Die Modellbildung stellte hierbei den ersten Schritt dar, da für eine Simulation der Logistiksysteme nicht mit allen erdenklichen Rahmenbedingungen gearbeitet werden kann – stattdessen muss eine gezielte Auswahl von Einflussgrößen in Gestalt eines Modells festgelegt werden. Die Entwicklung berufsrelevanter Kompetenzen wurde bereits in diesem Schritt durch entsprechende Freiheitsgrade angeregt. Systemgrenzen mussten eigenverantwortlich festgelegt werden und es waren dann grundsätzliche Entscheidungen bei der Modellbildung zu treffen, die im weiteren Verlauf nicht mehr revidierbar waren. Wie im späteren Berufsleben auch, war Zeit hierbei ein knappes Gut, so dass auch selbständig im Rahmen der Studierendengruppen entschieden werden musste, welcher einzelne Vorgehensschritt bei welchem Detailgrad beendet oder eben noch weiter bearbeitet werden sollte.

Neben der Erkenntnis, dass komplexe Systeme nicht mit einfachsten Ursache-Wirkungs-Ketten erklärbar sind, ist insbesondere die Realitätsnähe der Aufgabenstellung eine Quelle vielfältiger Lerneffekte. So wie der fachliche Inhalt der Übung, führten auch die eigenverantwortliche Bearbeitung mit allen zugehörigen Entscheidungen und der Verantwortungsübernahme für die Ergebnisse zu ungewöhnlichen Lernsituationen. „Kompetenzorientiertes Lernen erfordert nun mal auch, die vielfältigen Anforderungen des späteren ‚Ernstfalls‘ gemeinsam mit fachlichen und methodischen Aspekten zu vereinen – und das in einer möglichst ‚echten‘ Situation. Dieses Gesamtpaket ist für Studierende und Betreuer eine anstrengende Herausforderung, aber lohnt der Mühe sehr“, erläutert Prof. Thurnes, Leiter des Kompetenzzentrums OPINNOMETH.

Abschließende Aufgabe der Studierenden war es am Ende des Blockseminars, die gewonnenen Erkenntnisse den „Auftraggebern“ vorzustellen, deren Fragen zu beantworten und Handlungsempfehlungen bezüglich der alternativen logistischen Systeme abzugeben. Auch hierbei stand die Realitätsnähe im Vordergrund und die Präsentationen wurden an den tatsächlichen Gegebenheiten einer vergleichbaren Situation im Berufsalltag ausgerichtet.

Bei aller Realitätsnähe ist zum vollständigen Durchlaufen eines Lernzyklus dann zu guter Letzt noch eine Reflexionsphase erforderlich, um aus der „Rolle“ auftauchen zu können und befreit vom Druck der Aufgabe die Erlebnisse und Erkenntnisse Revue passieren zu lassen, auszuwerten und aufzubereiten. Olaf Schwarzer und Professor Thurnes führten hierzu eine abschließende Diskussion mit den Studierenden.

Olaf Schwarzer von Boehringer Ingelheim und Professor Thurnes vom Kompetenzzentrum OPINNOMETH führten diese Veranstaltung schon mehrfach gemeinsam durch und entwickeln sie hierbei jedes Mal weiter. „Die Studierenden sind nicht die Einzigen, die hier was lernen können“, schließt Professor Thurnes.