Lean 3P-Workshop mit Tehalit GmbH/ Hager Gruppe - Operational Excellence: Machen!

Kompetenzorientiertes Lernen in Zusammenarbeit mit der Tehalit GmbH / Hager Gruppe

Prof. Dr. Christian M. Thurnes,   FH Kaiserslautern

Michael Gundacker,   Hager Gruppe, Heltersberg

Die Entwicklung von Handlungskompetenz steht im Mittelpunkt einer fundierten Vorbereitung auf berufliche Erfolge. Studierende im Master Logistik und Produktionsmanagement (Vertiefung Produktionsmanagement) konnten bei der Firma Tehalit in Heltersberg – einem Unternehmen der Hager Gruppe – ihre Kompetenzen im Bereich Produktions- und Logistikgestaltung realitätsnah weiterentwickeln. In einer Zusammenarbeit des Kompetenzzentrums OPINNOMETH an der FH Kaiserslautern und der Tehalit GmbH schufen und betreuten Prof. Christian Thurnes und Michael Gundacker ein Lernsetting, in dem die Studierenden in der Praxis zwei Tage Produktions- und Logistikgestaltung „live“ erfahren konnten.

Nach einiger Vorbereitungszeit durch die Betreuer und einer kurzen Einführung im Rahmen einer Vorlesung trafen sich die Studierenden am 17. Dezember in den Produktionshallen in Heltersberg. Dort startete ein sogenannter 3P-Workshop (3P = Production Preparation Process), zur Umgestaltung und räumlichen Verlagerung eines kleineren Montagebereichs. Diese spezielle Form der Produktions- und Logistikplanung kommt aus dem Bereich der „Lean Production“ und setzt das zugehörige Lean-Grundprinzip des aktiven Gestaltens und Lernens vor Ort um: Operational Excellence. Die Studierenden starteten unter Anleitung und innerhalb eines vorgegebenen Ablaufschemas mit der Analyse des Ist-Zustandes vor Ort. Die Analysen wurden in kleineren Teilgruppen durchgeführt, die sich sowohl aus Studierenden, als auch aus Mitarbeitern des Unternehmens zusammensetzten.

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Analyse im bisherigen Montagebereich (v.l.n.r.: Johann Knoll, Magdalena Kasper, Alexander Wacker, Christoph Wasem; Foto: Thurnes)

Getreu dem Motto des Lean Managements „genchi genbutsu“ wurde diese Analyse gleich schon am Ort des Geschehens durchgeführt und in erster Linie auf beobachtbaren Sachverhalten aufgebaut, statt auf Ergebnissen und Zusammenfassungen aus EDV-Systemen. Es wurde also z. B. nicht nur auf die aktuellen Angaben aus Computersystemen vertraut, sondern vor Ort nachgeschaut, was tatsächlich wo in welcher Zahl zu finden ist und wie die tatsächlichen Arbeitsabläufe aussehen.

Am Nachmittag des ersten Tages waren die Rahmenbedingungen somit soweit bekannt, dass die Gruppe sich mit dem neuen Montagebereich auseinandersetzen konnte. Verschiedene Layout-Varianten wurden erarbeitet und diskutiert. Die Ergebnisse wurden dann gleich vor Ort getestet – und zwar am Zielort für das neue Montagesystem. Diese Tätigkeiten füllten dann auch am zweiten Tag den Vormittag aus. Auch hierbei wurde das Gebot der Operational Excellence, möglichst real die Planung auszuprobieren und durch das „Machen“ gezielt zu lernen, befolgt. So entstanden immer wieder einzelne Modelle für Betriebsmittel, Lagereinrichtungen oder logistische Hilfsmittel – ersonnen, gebaut und ausprobiert durch die gemischten Gruppen aus Studierenden und Mitarbeitern. Die Betreuer begleiteten diese Arbeitsaufgaben und leiteten die Gruppe an, damit immer wieder vollständige Lernzyklen durchlaufen werden konnten: Planung, Ergebnishypothesen erstellen, Umsetzung bzw. Ausführung und schließlich Überprüfung des Eintreffens der Hypothesen und Diskussion von Abweichungen.

Sobald mit den Modellen die realen Prozesse simulierbar waren, wurden sofort Verbesserungsmöglichkeiten deutlich, sodass Abläufe verändert und die Arbeitsbereiche immer wieder umgestaltet wurden. Wegen des engen Zeitplans führten diese Verbesserungsschleifen am frühen Nachmittag des zweiten Tages zum Endergebnis des Mini-3P-Workshops: zwei alternative Planungen für Montagebereich und Arbeitsweise sowie eine Liste der erforderlichen Schritte zur Umsetzung.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Kompetenzentwicklung in solchen Lernsituationen ist ein hoher „Ernstcharakter“ der Situation. Im Gegensatz zu Planspielen oder anderen aktiven Lernformen an der Hochschule, waren die Studierenden hier gemeinsam mit Mitarbeitern der Hager-Gruppe am Arbeiten und Gestalteten der zukünftigen Arbeitsumgebung und der Arbeitsabläufe. Somit wurde die Verantwortung, die in solchen professionellen Feldern getragen werden muss, nicht nur theoretisch erkennbar, sondern real erlebbar: Produktions- und Logistikgestaltung bestimmt auch den Alltag von Menschen und beeinflusst somit deren Leben in großem Maße. Aber nicht nur im Hinblick auf die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern war ein hoher „Ernstcharakter“ gegeben: Die Ergebnisse waren auch im Hinblick auf logistische und wirtschaftlicher Zielsetzungen des Unternehmens zu optimieren und zu verteidigen. Die Abschlusspräsentation fand daher vor einer Gruppe von hochrangigen Führungskräften statt, die zu den präsentierten Planungsalternativen Fragen stellten und diese auch gleich vor Ort bereits grob bewerteten.

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Studierende beim Modellbau (v.l.n.r.: Florian Grünfelder, Franziska Herrmann; Foto: Thurnes)
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Andreas Palm und Georg Weigl bei der Präsentation der Planungen vor Ort (Foto: Thurnes)

Nicht nur die Studierenden, auch das Unternehmen und Professor Thurnes waren mit den Ergebnissen und auch der Veranstaltung im Ganzen sehr zufrieden. Operational Excellence als konsequente Umsetzung des sogenannten “Lean Management” ist ein zentraler Lerninhalt im Rahmen der Vorlesungen von Professor Thurnes – es liegt aber im Kern der Sache, dass die wesentlichen Erkenntnisse hierzu nicht rein theoretisch vermittelt werden können. Eine tatsächliche Kompetenzentwicklung kann nur in einer angeleiteten Praxis stattfinden – Hager und das Kompetenzzentrum OPINNOMETH haben ein passendes Lern-Setting geschaffen.

Lean Management und die dazu gehörigen Werkzeuge, Vorgehensweisen und Prinzipien (wie z. B. die Operational Excellence) sind ein bedeutendes Thema für Tehalit und auch die Hager Gruppe. Wie viele andere Unternehmen unterschiedlichster Branchen verfolgt die Firma diesen Weg in Richtung Effizienz und Wertschöpfung.

Das Kompetenzzentrum OPINNOMETH befasst sich in einem seiner beiden Schwerpunkte mit allen Fragen rund um Lean Management für verschiedenste Unternehmen und Institutionen – seien es Produktions- oder Montagebereiche, Dienstleister, Einrichtungen des Gesundheitswesens, Verwaltungen oder die indirekten Unternehmensbereiche. Operational Excellence bzw. Lean Management stellt einfachste Methoden zur Effizienzsteigerung und Mitarbeitereinbindung zur Verfügung – allerdings müssen diese sehr vorsichtig auf die jeweiligen individuellen Gegebenheiten angepasst werden und ihre erfolgreiche Umsetzung in der Organisation ist sehr vielschichtig. Professor Thurnes steht Unternehmen der Region gerne unter www.OPINNOMETH.de als Ansprech- und ggf. Kooperationspartner zur Verfügung. Der Mini-3P-Workshop war letztlich für alle Beteiligten ein großer Erfolg und weitere Kooperationen dieser und ähnlicher Art zwischen dem Kompetenzzentrum und dem Unternehmen werden bereits diskutiert.